Wiedergeburt in Berlin

AIDA im Berliner Theater des Westens

Erst in Ägypten, dann in Essen, für kurze Zeit in Bremen... nun treffen sich Ana Milva Gomes alias Aida und Bernhard Forcher alias Radames in Berlin wieder. Da muss man geradezu an Wiedergeburt glauben.

Erzählt wird eine Liebesgeschichte aus dem alten Ägypten: Radames ist schon als zukünftiger Schwiegersohn vom Pharao ausgewählt, nicht zuletzt wegen seiner Erfolge als Heerführer. Er soll die schöne, mit viel Sinn für Stil behaftete Tochter des Pharaos, Amneris, heiraten. Von seinem letzten Feldzug in Nubien bringt er Sklaven mit, unter ihnen die nubische Prinzessin Aida, in deren Stolz und Mut er sich verliebt. Auch Amneris ist von Aidas Wesen beeindruckt, und macht sie zu ihrer Vertrauten. Als jedoch auch Aidas Vater, der König von Nubien gefangen genommen wird, muss sich Aida entscheiden, für oder gegen ihr unterdrücktes Volk. Während der Hochzeit von Amneris und Radames soll der Vater befreit werden – dies gelingt jedoch nur fast, Radames fasst die beiden. Damit steht er vor einer schweren Entscheidung, soll er sie gehen lassen, oder nimmt er sie gefangen?


(Foto: Brinkhoff/Mögenburg und Studio7; Coppyright: Stage Entertainment)

Wie die Geschichte ausgeht, soll hier jedoch nicht weiter beschrieben werden, ein wenig mehr Spannung tut dem Musical sicherlich gut. Der erste musikalische Höhepunkt und leider auch das einzige Lied mit Ohrwurmqualität kommt erst nach einer Stunde mit dem „Manteltanz“. Hier verlangen die nubischen Sklaven von Aida die Verantwortung zu übernehmen und ihnen Mut und Hoffnung zu geben. Bis dahin plätschert das Musical vor sich hin, kleine Aha-Effekte bei der Modenschau bei „Mein Sinn für Stil“ hinderten doch am Wegdösen. Auch das Bühnenbild kann keine Begeisterungsstürme auslösen, in Orangetönen beleuchtete Wand mit Schatteneffekten sind im ersten Augenblick zwar schick, werden auf Dauer jedoch langweilig. Der zweite Akt ist etwas spannungsreicher und hebt den Gesamteindruck ein wenig. Ein Teil der Besucher im Musical haben dies jedoch nicht mehr miterleben dürfen bzw. wollen, die Reihen waren nach der Pause leerer.


(Foto: Brinkhoff/Mögenburg und Studio7; Coppyright: Stage Entertainment)

Der etwas gelangweilte Gesamteindruck liegt jedoch keineswegs an den Künstlern – besonders hervorzuheben ist hier Ana Milva Gomes als Aida. Eine tief unter die Haut gehende Stimme gepaart mit einer unglaublichen Ausstrahlungskraft beim Schauspiel, nicht verwunderlich ist es, dass sie beim Schlussapplaus Standing Ovations bekam. Gegen sie wirkte Bernhard Forcher als Radames leider ein wenig blass. Auch Bettina Mönch als Amneris weiß zu überzeugen, sie wirkt herrlich hochnäsig und vollkommen von ihrem Stil überzeugt – kann aber auch ihre Trauer verdeutlichen. Beim Ensemble sind besonders die Tänzer hervorzuheben, die als Leibgarde des Zoser (überzeugend gespielt von Alexander Belinkx) ein wenig Action in das Musical bringen. Mereb (Marlon David Henry) als nubischer Hausmeister von Radames weiß hauptsächlich durch seinen Witz zu überzeugen, sein leichter Akzent stört kaum, passt sogar sehr gut zu seiner Rolle. Alle Künstler haben sichtlich Freude an ihrem Spiel – sie haben den Applaus wirklich verdient.


(Foto: Brinkhoff/Mögenburg und Studio7; Coppyright: Stage Entertainment)

Ein kleines Manko noch zum Schluss – das Theater des Westens ist wirklich ein umwerfendes Haus, die Leuchter, Teppiche und Sitze wirken einzigartig. Aber spätestens wenn man eine etwas größer gewachsene Person vor sich sitzen hat, bekommt man davon nicht mehr viel mit, entgegengesetztes Kopfwackeln ist ein Muss, falls man etwas auf der Bühne erkennen möchte. Da bleibt mir auch unverständlich, wie nach einer halben Stunde nach Beginn der Vorstellung noch Zuschauer in die Mitte der vorderen Reihen gelassen werden.


(Foto: Brinkhoff/Mögenburg und Studio7; Coppyright: Stage Entertainment)

Weitere Szenenbilder (alle Fotos: Brinkhoff/Mögenburg und Studio7; Coppyright: Stage Entertainment):

 

 

(Monika Nauroth, MrMusical, 06.08.2006)