A Dickensian Christmas - jetzt auch in München
Ein weihnachtlicher Geist
weht durch das ICM
Bereits zum dritten Mal in Folge hat die Musical-Fan-Gemeinde die Gelegenheit, Vom Geist der Weihnacht aus der Feder des Teams Steffan/Tasche in der Vorweihnachtszeit zu genießen. Das bereits im Jahr 2002 bewährte Konzept der parallelen Inszenierung wird 2003 mit den zwei Spielorten Oberhausen und München weitergeführt, wobei das ICM in München mit dieser Produktion eine Premiere feiert, da erstmalig die Bühne für eine Theateraufführung genutzt wird. Bis zum 6. Januar werden Scrooge, Marley und der Engel die Zuschauer in 60 Vorstellungen verzaubern.
Ein verzweifelter Marley
(Peter Trautwein), der mit seinem Schicksal und seinen Ketten hadert, die ihn
am Eintritt in den Himmel hindern. (Foto: Vom Geist der Weihnacht)
Mit Peter Trautwein als Marley und Judith Hildebrandt als Engel stehen "alte Bekannte" auf der Bühne, die auch in den Vorjahresproduktionen Anteil am Erfolg des Musicals hatten. Jan Gebauer in der Rolle des Scrooge komplettiert das Trio der Protagonisten harmonisch. Überhaupt ist das ganze Ensemble vom weihnachtlichen Geist infiziert - die Wandlung des geizigen und mürrischen Scrooge in einen großherzigen und freundlichen Mitmenschen wird auf so anrührende und bezaubernde Weise dargestellt, dass manche Träne in den Augenwinkeln der Zuschauer glitzert.

Scrooge, Marley und der Engel auf dem Friedhof, der letzten Station,
die Scrooge während seiner schmerzhaften Wandlung zum Menschen mit Herz
durchlaufen muss.
(Foto: Vom Geist der Weihnacht)
Leider wird der positive
Eindruck durch die Bühnenbauten etwas geschmälert. Scrooges Tresor
stammt wohl vom gleichen Architekten wie Dagobert Ducks Geldspeicher in Entenhausen,
und der Genuss des Solos von Scrooge im vorletzten Bild des zweiten Akts wird
getrübt durch die Sorge, der Darsteller könne mitsamt der Bühnendekoration
in die Zuschauer stürzen. Was die Choreographie anbelangt, fällt auf,
dass bei einigen Tanzsequenzen Quentin Tarantinos Film Pulp Fiction ebenso wie
Michael Jacksons Thriller-Musikclip Pate gestanden haben. Diese Mankos kann
der Kunstschnee der Schlussszene ebenso wenig verdecken wie die Schwierigkeiten
der Solisten zu Beginn der Vorstellung, gegen die Musik ansingen zu müssen.
Ein Highlight der Aufführung ist ohne Zweifel die Szene bei Fezziwigs,
deren Temperament und überschäumende Lebensfreude die Premierenzuschauer
zu Szenenapplaus hinrissen. Auch die beschaulicheren Melodien wie Ein neues
Leben oder Diese Nacht soll niemals enden verfehlen ihre Wirkung nicht und sorgen
selbst bei trüber und regnerischer Witterung auf dem Weg zurück zum
Parkhaus noch für warme Herzen und leicht beschwingte Schritte.
"Vom Geist der Weihnacht - Das Musical für die ganze Familie" ist ohne Zweifel auch ein Vergnügen für die ganze Familie. Und wer es schafft, an die Rezepte der Mrs Fezziwig heranzukommen, möge sie mir bitte auch schicken!
(Christina Marhöfer, 20.11.2003)