Elisabeth - Ein österreichisches Kultmusical erobert die Welt

Fakten:
Buch und Liedtexte: Michael Kunze
Musik: Silvester Levay
Welt-Uraufführung: 2.September 1992, Wien, Theater an der Wien, Spielzeit bis 25.05.1998
Choreographie: Dennis Callahan
Japanische Premiere: 1996 in Takarazuka bei Osaka
Ungarische Premiere: Szeged 1998
Holland: Scheveningen 2000 (www.sissi.nl)
Deutschland: geplant im März 2001 in Essen

Seit der Welturaufführung 1992 im Theater an der Wien, haben mehr als eine Million Besucher die großartige Liebesgeschichte zwischen Elisabeth und dem Tod, kommentiert von Luigi Lucheni gesehen.

Zuerst etwas Geschichtliches zu Elisabeth. Elisabeth Amalia Eugenia, Herzogien in Baiern wurde am Weihnachtsabend 1837 als drittes Kind von Max, Herzog in Baiern und Ludovika, Tochter des bayrischen Königs Max I geboren.Am 18.April 1854 ehelichte sie Franz Josef von Österreich und wurde Kaiserin. 1898 wurde sie von Luigi Lucheni, 25 Jahre, am Genfer See ermordert. Lucheni erhängt sich elf Jahre nach seiner Tat in seiner Zelle.

Das Stück beginnt in der Gegenwart, in der Welt der Toten, wo ein Richter, noch hundert Jahre nach der Tat, Luigi Lucheni verhört. Er behauptet, er habe Elisabeth ermordert, weil sie es wollte. Sie sei die Geliebte des Todes gewesen. Und zum Beweis ruft Lucheni Elisabeths Zeitgenossen hervor. Auch der Tod erscheint und erkennt Elisabeth als seine Geliebte an. Lucheni erzählt nun Elisabeths Lebensgeschichte. Elisabeth ist als Kind sehr lebendig und lebensfroh und gleicht in vielen Dingen ihrem Vater. Als Elisabeth älter wird, vereinbart Erzherzogin Sophie ein Treffen mit Herzogin Ludovika. Bei diesem Traffen sollen sich der Kaiser Franz Josef und Elisabeths Schwester Helene vermählen. Jedoch Franz Josef und Elisabeth verleiben sich, gegen den Willen von Sophie, ineinander. Elisabeth ist erst fünfzehn und weiß noch nicht, was auf sie zukommt. Trotz vieler Schwierigkeiten schreiten die beiden vor den Traualter. Lucheni interpretiert dieses Geschehen als Beginn vom Ende der Habsburgerzeit. Im Ballsaal des Schlosses Schönbrunn findet die Hochzeitsfeier statt, wo sich der Tod als Franz Josefs Nebenbuhler präsentiert. Erzherzogin Sophie macht es am Hofe Elisabeth nicht gerade leicht. Elisabeth fühlt sich entmündigt und eingesperrt und von ihrem Mann im Stich gelassen, da er ihr nicht die gewünschte Unterstützung entgegenbringt. Als Sophie Elisabeth ihr Kind wegnimmt, setzt sie Franz Josef ein Ultimatum auf, indem sie mehr Freiheit verlangt. Der Kaiser gibt dem Ultimatum aus Liebe nach und versöhnt sich mit Elisabeth. Viele schwere Jahre folgen. Lucheni hetzt das Volk gegen die Kaiserin auf, indem er ihnen erzählt, auf welche luxoriöse Weise die Kaiserin ihre Schönheit pflegt. Elisabeth gewinnt aber wieder schnell das Vertrauen des Volkes und auch der Kaiser verdankt ihr die Versöhnung mit Ungarn, die 1868 besiegelt wird. In dieser Zeit kümmert sich Elisabeth wenig um ihren Sohn Rudolf, diese Chance nutzt der Tod und bietet sich dem Kronprinzen als Freund an. Die Erzherzogin Sophie will den Einfluß von Elisabeth auf dem Kaiser mindern. Sie verführt Franz Josef zur Untreue, im Bordell der Madame Wolf. Jedoch weiß niemand, daß gerade diese Frau infiziert ist. Kurze Zeit später wird Elisabeth krank, und der Tod berichtet ihr von der Untreue ihres Mannes. Ruhelos reist sie von Ort zu Ort, dabei übersieht sie, wie sher ihr Mann sie vermißt und wie sehr ihr Sohn Rudolf ihre Hilfe braucht. Rudolf, inzwischen sehr verzweifelt, folgt den Rufen des Todes und beginnt Selbstmord. Elisabeth macht sich deswegen große Vorwürfe. Der Wunsch zu sterben, wird in ihr immer größer, der Tod aber weist sie ab. Franz Josef und Elisabeth gestehen sich nun endlich ein, daß ihre Ehe gescheitert ist. Erst nach einem langen qualvollen Jahrzehnt hat der Tod Mitleid mit ihr. Franz Josef möcht Elisabeth retten, der Tod kommt ihm zuvor und übergibt Luigi Lucheni die Mordwaffe. 1892 kommt es in Genf zur Tragödie, Lucheni ersticht die Kaiserin Elisabeth. Sie unf der Tod umarmen sich nun nach langem Warten leidenschaftlich. Im Hintergrund erhängt sich Luigi Lucheni in seiner Zelle.

Elisabeth ist ein einzigartiges österreichisches Kultmusical, das in kürzester Zeit die Herzen auf der ganzen Welt erobert hat. Wer hätte das gedacht, daß die Geschichte einer scheuen, ratlosen, exzentrischen, unberechenbaren und faszinierenden Kaiserin ein Publikumserfolg wird?

Ein Grund für den großen Erfolg sind bestimmt die erstklassigen Namen der deutschsprachigen Musicalszene, die für die Besetzung in Wien gewonnen werden konnten. Einige von ihnen waren schon bekannt, aber viele wurden erst durch Elisabeth zu Superstars - z.B. Uwe Kröger. Viele Darsteller feierten Erfolge als Tod, aber niemand prägt die Rolle mehr als Uwe. Seine Beliebtheit als Tod blieb immer unerreicht und sein "letzter Tanz" ist Musicalgeschichte.Auch die Rolle der Elisabeth wurde Kult, und wer nun die bessere Elisabeth ist, Pia Douwens oder Maya Hakvoort sei dahin gestellt - beide sind brilliant. Mein Liebling ist allerdings Pia! Aber auch Namen wie Viktor Gernot (auch ein Favorit von mir), Ethan Freeman, Andreas Bieber, Wolfgang Pampel, Else Ludwig, Peter Färber, Eric Minsk, Bruno Grassini, Addo Kruizinga, Isabel Weicken, Aris Sas, Leon van Leeuwenberg und viel mehr, finden sich in den Besetzungen und erlangten großes Ansehen durch dieses Stück.

Die Lieder "Ich gehör nur mir" und "Der letzte Tanz" wurden unvergeßliche Hits. Natürlich gibt es noch weitere Ohrwürmer wie "Die Schatten werden länger", "Die Boote in der Nacht", "Alle Fragen sind gestellt", "Elisabeth, mach auf mein Engel", "Milch", "Kitsch", "Nur kein Genieren", "Wir oder Sie", "Nichts, nichts, gar nichts", "Wenn ich dein Spiegel wär", "Der Schleier fällt" sind hervorragend. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, dennoch sind alle Melodien harmonisch und dank der ausgezeichneten gesanglichen Leistung der Darsteller ein wahrer Hochgenuß.

Bühnenbild und Kostüme sind schlicht, dramatisch, imposant, mystisch, effektvoll und bezaubernd. Eine Glanzleistung!!!

Die Kaiserin von Österreich erscheint in diesem Musical als eine um Freiheit kämpfende Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist. Da sie anders denkt und handelt als ihre Zeitgenosssen, begibt sie sich in eine Isolation gegnüber jedem Außenstehenden. Man glaubt, Elisabeth war eine tolle Persönlichkeit, aber wie die vielseits umjubelte und beliebte Kaiserin in Wirklichkeit war, werden wir nie erfahren. Allein schon wegen der Geschichte lohnt es sich, dieses Musical anzusehen und wer nicht von der Musik und von dem Rest begeistert ist, ist selber schuld, denn so ein wunderbares Stück gibt es nur ganz selten in der großen Welt des Musicals.

Zum Schluß bleibt nur eins zu sagen: HINGEHEN und ANSEHEN.

(Anita Arneitz, 25.07.2000)